Philosophische Tiere (eine Liste)

Ich hab (unterstützt von meinen Freunden in einem Philoforum) mal eine weitere Tierliste gebastelt. Philosophische Tiere, wenn man so möchte.

  • Ameise, die versehentlich Churchill "zeichnet". (Putnam)
  • Animot, das Wort, das die tierischen Unterschiede frisst. (Derrida)
  • Chinesische Enzyklopädie, die Foucault zur Ordnung der Dinge inspiriert hat. (Borges)
  • Elefanten, die religiösen Riten pflegen. (Montaigne)
  • Entenhase, der mal dies und mal das ist. (Wittgenstein)

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Luft – ein Text von Berthold Rath

Luft ist etwas für das menschliche Auge zwar Spürbares aber nicht Wahrnehmbares. Das Gehör vermag gegebenenfalls die akustischen Wirkungen der Luft zu hören und die haptische Wahrnehmung kann sich ihrer vergewissern; aber wie stellt man Luft in einem Bild, mithin in einem Augenmedium, dar? – Dem Auge bleibt bei der Luft gleichsam die Luft weg.

Für das Auge ist die Luft Luft. – Das Bild Luft von Jörn Budesheim verschafft seinem Betrachter dennoch eine Gegenständlichkeit, gleichwohl diese Gegenständlichkeit kein Gegenstand ist. Der Bezug des Betrachters zur Luft ist ein umwegiger. Die Luft wird nicht abgebildet, sie wird dargestellt. Der Betrachter kann nicht sagen, ob im Dargestellten wirklich Luft vorkommt; er wird aber durch das Dargestellte auf eine Spur gesetzt. Wer einer Spur nachgeht, der bewegt sich im semantischen Feld des Homerischen noos – mit Hinüberblick ins angrenzende Feld des Anaxagoras´schen nous.

Luft (Jörn Budesheim)

Die Luft – das ist Eurydike, die für den Betrachter unsichtbar wird, wenn er versucht, die Luft in diesem Bild zu sehen. Darin liegt das orphische Verhältnis des Betrachters von Luft – er kann sich ihrer nicht durch visuelle Wahrnehmung versichern. Er kann der Luft vorausgehen, aber nicht an ihr vorbeigehen.

Oder anders gesagt: Weil er keine Ahnung hat, bleibt ihm nur die Ahnung. Oder noch anders: Wer sich der Luft zuwendet, für den ist sie Luft. Oder ganz anders: Der Luft zuwenden kann man sich nur, indem man sich der Luft zuwendet. 

(Berthold Rath)